Eine ganz besondere Osterüberraschung
Als besondere Osterüberraschung wurde dem Burg-Stein-Museum eine der ältesten Bibliser Grusskarten von 1915 angeboten. Die Bildseite ist zweigeteilt. Als erstes ist auf ihrer Bildseite der Stolz der Bibliser, die neuromanische Kirche St. Bartholomäus von 1876 in sehr guter Abbildung, ohne stürzende Linien dargestellt. Das war sehr schwierig zu machen und setzte erhebliches Können voraus. Denn es konnte bei einigen alten Plattenkameras aus Holz das Objektiv vorne am Balgen geneigt werden um damit stürzende Linien ausgleichen.
Daneben ist die Spezerei Handlung Steiner abgebildet, die wohl in der Waldstraße 3 damals bestand. Der Gewürzhändler Adam Steiner der die Postkarten herstellen ließ, hat offensichtlich sein Sortiment ausgeweitet und verstärkt auf Laufkundschaft gesetzt.
Auf der Textseite ist der Kartenhersteller: Joh. Schmitzer, Photogr. in Biblis genannt. Es gab also damals bereits in Biblis einen Berufsfotografen. Die Textseite wurde vom Kartenkäufer in flüssiger Handschrift mit Bleistift geschrieben:
„MG. Ers. Inf. Reg. 143 nach Straßburg Feldpostkarte Frau A. Taube Berlin N.O Franser(kyes?) 29
M. Liebe Alma! Bis jetzt fahren wir 24 Stunden mit der Bahn bekommen gerade Mittag, was ja nicht so schmeckt wie sonst. Wir sind hier in Biblis in der Nähe des Rhein`s, ich denke daß wir noch 10 Stunden fahren werden. Die Gegend ist ja sehr schön aber jetzt kein Interesse. Herzlichen Gruß an dich u. Kinder F. Willy“
F. Willy Taube hat wohl den Aufenthalt am nord/südlichen und ost/westlichen Eisenbahnknotenpunkt Biblis am 12. Juli 1915 zu einer kleinen Erkundung in Biblis genutzt. Schon seit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Bahnhofskommandantur mit einem Major und Unteroffizieren besetzt. Dieser Kommandantur unterstand eine Truppen-Verpflegungsstation für die auf einem Transport befindlichen Truppenverbände. Das entsprechende Gebäude war unmittelbar neben dem Eisenbahngelände im Waisenstück errichtet worden.
Was besonders auffällt ist die Tatsache, dass dem aus der Reichshauptstadt mit ihren prächtigen Gebäuden der Kaiserzeit verwöhnten Willy, Biblis und seine grüne Landschaft am Rhein mit den goldgelb wogenden Getreidefeldern so gut gefallen hat, dass er sie trotz Zeitdrucks als besonders schön auf einer schnell gekauften Postkarte seinen Lieben mitgeteilt hat.








Hallo,
mir ist aufgefallen das die „Spezerei“ laut dem Bild ein Eckhaus ist. Die angegebene Adresse „Waldstrasse 3“ ist jedoch kein Haus an einer Ecke sondern irgentwo in der Mitte der Strasse angesiedelt.
Gab es früher bei diesem Haus einmal eine Strasse die quasi um die Ecke ging? oder hatte das Haus als Eckhaus vielleicht die Hausnummer 1?
Gruss aus Hofheim/Ried
Peter Ohl
Hallo !
Mir ist aufgefallen, dass auf der alten Postkarte die neue Postleitzahl von Biblis steht. Wie kann das sein ?
Liebe Grüße
Claudia Getrost
Hallo Frau Getrost,
die auf der Postkarte angegeben Postleitzahl bezieht sich nicht auf die heutige PLZ von Biblis. Vielmehr wurde die Karte aus Biblis versandt, offenbar steht die 68647 auf der Karte in Bezug mit Berlin, wohin die Karte versandt wurde.
Viele Grüße
Benjamin Kloos