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13.24 Uhr | 14. Oktober 2015
Acht Stolpersteine in Lampertheim verlegt / Erinnerung und gleichzeitig Mahnung

Zum Gedenken an jüdische Mitbürger

Künstler Gunter Demnig verlegte die acht Stolpsteine an der Ecke Römerstraße/Domgasse. Foto: Benjamin Kloos

Künstler Gunter Demnig verlegte die acht Stolpsteine an der Ecke Römerstraße/Domgasse. Foto: Benjamin Kloos

LAMPERTHEIM – Ein sichtbares Zeichen wider das Vergessen wurde am Mittwoch in Lampertheim durch die Verlegung weiterer Stolpersteine gesetzt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, der die Stolperstein-Aktion ins Leben gerufen hat und mittlerweile in ganz Europa damit unterwegs ist, war persönlich nach Lampertheim gekommen, um im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik und Gesellschaft insgesamt acht Steine zu verlegen.

Die an der Ecke Römerstraße und Domgasse verlegten Steine erinnern an die Lampertheimer Familie Mann. Nathan und Blandine Mann wohnten bis zum 17. Mai 1927 in der Römerstraße 67 und seit dem 1. Juni 1935 in der Römerstraße 63. Dort, wo der damalige Wohnsitz stand, liegt heute der Domplatz. Nathan und Blandine Mann, an die zwei der acht Steine erinnern, verzogen am 3. Mai 1939 nach Mannheim, von wo aus sie in das Lager Gurs deportiert und später in einem Vernichtungslager ermordet wurden. Die weiteren sechs Steine erinnern an die Töchter Betty und Ella Mann, Sohn Franz Mann und dessen Frau Sidonie Mann (Rufname Toni, geb. Mayer) sowie Tochter Johanna Mann und Sohn Siegbert Mann, die alle bei Nathan und Blandine Mann wohnten. Letzterer kam am 15. März 1944 in Auschwitz ums Leben, während Franz und Sidonie Mann in die USA auswanderten. Franz Mann verstarb 1988 in Margate, USA. Auch Ella und Betty Mann gelang die Auswanderung in die USA. Eine Enkelin von Betty Mann, Eva Setton, wandte sich per E-Mail am 4. Mai 2014 an die Stadtverwaltung Lampertheim. Dadurch wurde bekannt, dass Betty Mann mit ihrem Ehemann Arthur Wallenstein 1928 nach Kassel verzog und von dort aus 1939 emigrierte.

Sichtbares Gedenken an Familie Mann. Foto: Benjamin Kloos

Sichtbares Gedenken an Familie Mann. Foto: Benjamin Kloos

„Wir wollen mit den Stolpersteinen erinnern, aber den Blick gleichzeitig auch in unsere Zeit werfen und Mahnung geben, damit so etwas in unserer Gesellschaft nicht mehr passieren kann und wird”, betonte Bürgermeister Gottfried Störmer mit Blick auf die Gräueltaten des NS-Regimes. „Außerdem sollen die Steine Mahnung in Richtung des Umgangs mit Menschen sein, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder vor Krieg fliehen mussten. Wir sollten die Flüchtlinge als Gäste willkommen heißen, auch wenn dies sicher nicht einfach sein wird und ist. Aber es ist jeden Versuch wert.”

Immer wieder blieben Passanten stehen, um der Verlegung der Steine zuzuschauen. Gunter Demnig, der mittlerweile 55.000 Stolpersteine in 20 Ländern verlegt hat, stellte in diesem Zusammenhang dar, dass „es immer wieder neue Schicksale sind, die hinter den Namen auf den Steinen stecken” und dass die unzähligen Opfer der Nazi-Diktatur keinesfalls in Vergessenheit geraten dürfen.

Die weiße Rose: Symbolträchtiges Zeichen als Erinnerung an die NS-Gräueltaten. Foto: Benjamin Kloos

Die weiße Rose: Symbolträchtiges Zeichen als Erinnerung an die NS-Gräueltaten. Foto: Benjamin Kloos

Im Anschluss an die Verlegung der Stolpersteine legten unter anderem Bürgermeister Gottfried Störmer, der Erste Stadtrat Jens Klinger, Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass, Spargelkönigin Elena I. und der Lampertheimer Ehrenbürger Heinrich Karb acht weiße Rosen nieder. Diese waren bewusst als Symbol gewählt, in Anlehnung an die Geschichte der Geschwister Scholl, die im Zeichen der „Weißen Rose“ Widerstand gegen den NS-Staat leisteten und diesen unglaublichen Mut mit dem Leben bezahlen mussten.

Die Stolpersteine werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern von NS-Opfern niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Der erste Stolperstein in Lampertheim wurde am 23. November 2007 im Rahmen der Veranstaltungsreiche zum 60. Todestag von Pater Alfred Delp verlegt, am 20. Februar 2014 kamen sechs weitere Steine in der Wilhelmstraße 46 hinzu. Vertiefte Informationen bietet Gunter Demnig im Internet unter www.stolpersteine.eu an. Benjamin Kloos

 

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