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14.20 Uhr | 9. Mai 2023
NIBELUNGENFESTPIELE WORMS: Edda-Lücke wird mit BRYHILD geschlossen

Sagenwelten werden verwoben

Die Vorbereitungen für die Nibelungenfestspiele laufen: Vom Ensemble waren bei der großen Pressekonferenz unter anderem Bless Amada, Parisa Madani, Jens Albinus, Bekim Latifi, Alexander Angeletta, Laina Schwarz, Simon Kirsch und Ruby Commey anwesend. Foto Rudolf Uhrig

WORMS – Die Nibelungenfestspiele kommen in diesem Jahr ganz „nordisch“ daher, zumindest was die Wahl der Namensgebung anbelangt. So heißt Siegfried im nordischen Sagenkreis Sigurd, gleich bleiben beiden jedoch die Elemente der übermenschlichen Kräfte, sie zeugen von großem Mut und Tapferkeit. Kommt er aber aus Xanten oder ist er eher dem Heldengeschlecht der Wölsungen zuzuordnen?

Auch Brynhild ist in dieser Sagenwelt verortet. Und das, obwohl sie tatsächlich erst im Nibelungenlied Erwähnung findet.  Denn dort ist sie eine sagenhafte, schöne und  ebenso starke Königin und keinesfalls dem mittelalterlich-höfischen zuzuordnen. 

Aber gibt es da nicht eine „Vorgeschichte“, die das Nibelungenlied nicht kennt? Denn eine andere Erzählung besagt, dass Siegfried,  bevor er überhaupt erst nach Worms zu den Burgunden kommt und Gunthers Schwester heiratet, die Feuerwand von Bryhilds Burg durchbricht und die Walküre aus ihrem Zauberschlaf erweckt. Sie verlieben sich und schwören sich ewige Treue. Aber nur zu gut wissen wir, wie die „Geschichte wirklich war…, denn sie nimmt ihren verhängnisvollen Lauf in Worms, im Odenwald und an Etzels Hof.“

Aber wie sieht es die Autorin Maria Milisavljević von Brynhild? Und wie wird  Regisseurin Pinar Karabulut jene „neue“ Geschichte umsetzen. 

Pinar Karabulut sprüht vor Lust und Laune, sie ist voller Energie bei der Pressekonferenz. Sie stellt ihr Ensemble vor, viele davon kennt sie seit Jahren, arbeitet mit vielen von ihnen sehr erfolgreich zusammen. Es ist eine junge Truppe. Laina Schwarz ist wieder dabei, nach 2006 und 2007. Sie verbringt ihren fünften Sommer in Worms, denn sie war auch in den beiden Jahren hier, als ihr Mann, Sascha Göpel, spielte. Und insofern ist sie ja die heimliche Spielführerin, denn sie konnte den „Neuankömmlingen“ schon „halb“ Worms zeigen und erklären wo, was, wie stattfindet. 

Und ja, die Regisseurin, sie ist im Stoff. Sie kennt die Sagenwelten und die beiden Mären. Sie weiß auch, das, was Thomas Laue, der Dramaturg zugibt, nicht gewusst zu haben, nämlich: Es gibt eine Edda-Lücke. Irgendwann reißen die Erzählstränge ab und werden später fortgesetzt. Und jene Lücke wird nun erzählt. Aber eben mit dem Anspruch, es in die „Neuzeit“ zu transformieren. „Es gibt in unseren Inszenierungen immer Bezüge zur aktuellen Lage und Situation“ so sagen es unisono Nico Hofmann und Thomas Laue. „Denn jede Generation hat neue Identitäten, neue Linien. Es wird in dieser Edda-Lücke Zuschreibungen geben, mit den Rollenbildern, wie wir sie kennen, wird gnadenlos gebrochen, denn Bryhild will wahrlich nicht mehr das sein, was man von ihr erwartet“, so Laue weiter.

Stargate lässt grüßen, so könnte man Susanne Steinmassl, die Videokünstlerin interpretieren. Dieses Jahr wird es freilich kein Pool geben, aber eine riesige Leinwand. Durch jenen Screen wird der Besucher mitgenommen in andere Welten, er ist wie ein Tor, wer hier hindurchgeht erlebt vieles intensiver, präziser, komplexer, vielschichtiger, hautnah, oder aber noch verschleiert!? Steinmassl und Karabulut lassen das noch offen. Denn in der Tat, da sind die beiden Damen noch in der Findungsphase. Es wird Sequenzen aus dem Dom geben, es wird im Studio gedreht, aber natürlich auch im Odenwald und in einem Steinbruch. Und es wird Musik geben „ohne Musik geht gar nichts“ bekennt die Regisseurin.

Auch Petra Simon, die Betriebsdirektorin ist schon „aufgeregt“, denn man Freitag kommen Materialien – und am Montag beginnen die Aufbauarbeiten.

Nico Hofmann ist – wie er sagt, wie immer – gespannt auf das Stück und das Ensemble, das keinen Superstar braucht. „Denn in Berlin zum Beispiel“, so Hofmann, „spürt man die große, neue Lust auf Theater, Film. Aber wir müssen all diesen neuen Ideen nach Diversität und Wokeness nicht immer und bedingungslos folgen. Aber es ist schon sehr interessant zu sehen, wie Frauen über Frauen schreiben.“ 

Bernadette Schoog, die durch die Pressekonferenz und Interviews führt, entlockt Nico Hofmann noch die herrliche Aussage als sie nach seinen Gefühlen nach der ersten Durchlaufprobe fragt: „Die schwanken von gut gelaunt – und manchmal tief verzweifelt.“

Gute Laune verbreitete aber schon mal Ralf Moeller, als er per Video-Leinwand aus Hollywood grüßte und sich auf seine Rolle als Fafnir freut. Den wird er freilich nur per Filmeinspieler geben. Und Laue meint, ob es Fafnir jemals gab, wir wissen es nicht.

Es wird definitiv wieder spannend, sehr spannend werden. Darin sind sich alle, auf und vor der Bühne bei den Sponsoren einig. Rudolf Uhrig

 

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Geschrieben in Lokal, Worms

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