Mit der „Mitfahrbank“ sicher und pünktlich ans Ziel?
Felix Berz machte den Test – und wartetete und wartetete, doch niemand zeigte sich bereit, ihn mit nach Lampertheim zu nehmen. Auch nach Bürstadt oder Worms fand sich keine Mitfahrgelegenheit. Foto: Benjamin Kloos
NORDHEIM – Die Intention ist gut und liegt, gerade nach dem Wegfall einer weiteren Busverbindung, auf der Hand, allerdings hat sich das Konzept bisher noch nicht in der Realität bewährt, im Gegenteil: Die „Mitfahrbank“, die im Rahmen des Freiwilligentages in Höhe des Nordheimer Rathauses sowie parallel dazu auch in Wattenheim installiert wurde.
Der junge Videofilmer Felix Berz aus Nordheim wurde immer wieder auf den Sinn der Bank angesprochen und hat daher ein Video gedreht, dass bereits nach kurzer Zeit unzählige Aufrufe verzeichnet: 13.119 Aufrufe, mehr als doppelt so viele erreichte Personen, 166 Likes und 166 Mal geteilt, eine eindrucksvolle Bilanz nach nur wenigen Tagen.
Ist die Bank zu unbekannt?
Verkehrsgünstig an der Durchfahrtsstraße in der Nähe der Bushaltestelle ist die Mitfahrbanl gelegen, hier können potenzielle Mitfahrer auf eine Gelegenheit warten, nach Worms, Bürstadt oder Lampertheim zu kommen. Anhand von komfortablen Umklappschildern lässt sich der Zielort schnell einstellen, unabhängig von Fahrplänen besteht die Möglichkeit, dank freundlicher Autofahrer sein Ziel schnell zu erreichen. Denn wer in diese Richtung fährt, kann den oder die Wartenden mitnehmen – so zumindest die Theorie.
Hier taucht aber das erste Problem auf, das Felix Berz persönlich untersuchte: Über eine Stunde saß er auf der Bank und kein Auto hielt an – egal welches Ziel er wählte. Unmöglich also, rechtzeitig zu einem Termin oder einer Verabredung zu erscheinen, denn niemand weiß, wann wirklich ein Auto hält. Liegt es daran dass die Bank noch zu unbekannt ist? Durchaus eine Möglichkeit. Aber dennoch bleibt die Ungewissheit, ob überhaupt jemand zum gewünschten Zielort fährt und auch bereit ist, einen Unbekannten mitzunehmen.
Leider sind zudem genau dort, wo die Bank steht, auch Pfosten angebracht, welche die Fußgänger vor dem Verkehr schützen sollen, allerdings so auch ein Halten für mögliche Mitfahrer unmöglich macht.
Vertrauen zu Mitfahrern
Felix Berz wirft im Bezug auf die „Mitfahrbank“ eine weitere wesentliche Frage auf: Angenommen, man sitzt auf der Bank und wird tatsächlich zum gewünschten Ziel nach Worms, Bürstadt oder Lampertheim gebracht – wie kommt man dann zurück? Denn in allen drei Zielorten gibt es eine solche Bank nicht, bliebe nur noch das Taxi oder gezielt als Anhalter am Straßenrand auf sich aufmerksam zu machen. Zumindest solange, bis entsprechende Bänke auch in den Zielorten aufgestellt werden, eventuell sogar mit der Möglichkeit zum „Umsteigen”. Doch dies ist, wenn überhaupt, nur Zukunftsmusik.
Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit – nicht nur der Autofahrer, die nie genau wissen können, wen sie mitnehmen, sondern besonders auch der potentiellen Passagiere: Gerade ältere Menschen aber auch Kinder könnten hier bewusst von möglichen Verbrechern bzw. auch Pädophilen beobachtet und mitgenommen werden – eine sicherlich nicht zu unterschätzende Gefahr. „Immer wieder wird Kindern zurecht erklärt, dass sie nicht in fremde Autos steigen sollen. Diese Regel wird hier einfach außer Kraft gesetzt“, warnt der engagierte Nordheimer.
Mittlerweile wissen immer mehr Nordheimer über die Bedeutung der Mitfahrbank Bescheid – auch dank Felix Berz. Ob und wie weit diese Bank allerdings angenommen wird, steht noch in den Sternen. Wichtig wäre es aber, zumindest die Möglichkeit des Anhaltens direkt an der Bank zu ermöglichen und sich Gedanken über eine mögliche Rückreisemöglichkeit der Mitfahrer zu machen – denn aktuell macht die Bank nur sehr begrenzt Sinn, um das gewünschte Ziel schnell, pünktlich und vor allem sicher zu erreichen. Benjamin Kloos







