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08.34 Uhr | 16. April 2021
EGERLÄNDER GMOI: Mitglieder haben sich einstimmig für Auflösung ausgesprochen

Eine Ära geht zu Ende

Eine sehr emotionale Entscheidung: Bei der Jahreshauptversammlung sprachen sich die Mitglieder einstimmig für die Auflösung der Egerländer Gmoi Hofheim aus. Foto: Petra Gahabka

HOFHEIM – Kurz und schmerzlich war am Montagabend die Jahreshauptversammlung der Egerländer Gmoi Hofheim. „Leider sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir über den weiteren Weg unseres Vereins entscheiden müssen“, sagte Vüarstaiharin (Vorsteherin) Rita Sittauer. Am Ende stand die Abstimmung über eine Auflösung des Vereins.    

Der Rückblick von Schriftführerin Iris Gerberding auf das Vereinsgeschehen war mit wenigen Sätzen erledigt. Von den aktuell 39 Mitgliedern seien 16 aktiv. Seit März letzten Jahres konnten aufgrund der Corona-Verordnungen keine Tanz- und Singstunden mehr abgehalten werden, zudem habe Dirigent Wolfgang Raab Ende 2020 sein Amt niedergelegt. Rita Sittauer verdeutlichte die Situation: „Wir wissen alle, dass finanziell und personell keine Aussichten auf Besserungen zu erwarten sind.“ Die Tanzgruppe bekomme nur mit Mühe vier Tanzpaare zusammen, der Egerland-Chor, bestehend aus einem Dutzend Sängern und Sängerinnen, davon drei im betagten Alter um die 80 Jahre, stehe ohne Dirigenten da. Die Veranstaltungen seien in den letzten Jahren immer weniger geworden und hätten sich finanziell nicht mehr gerechnet, stelle man den Aufwand und die dringende fremde Hilfe gegenüber. 

Die Hofheimer Gmoi (Gemeinde) sei kein eingetragener Verein, sondern dem Bund der Egerländer Gmoien anhängig. Dieser habe sich über die geschilderte Lage nicht glücklich gezeigt, doch man habe sich darauf geeinigt, dass der Verein sich bis zum Jahresende auflösen kann. Sichtlich gerührt bat die Vüarstaiharin um Handzeichen für eine Auflösung der Egerländer Gmoi. Dieser stimmten alle 17 anwesenden Mitglieder zu, darunter auch Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender Josef Sittauer. Damit verliert der Ort eine Gruppe, die über 50 Jahre das Vereinsleben in vielfältiger Form bereicherte. 

Die Egerländer Gmoi wurde im Mai 1968 von 14 Frauen und Männern gegründet, die 1945/46 das Egerland – nach Norden durch Sachsen und das Erzgebirge begrenzt, nach Westen durch Bayern – verlassen mussten. Bereits zum Ende des ersten Jahres verzeichnete der Verein, der sich die Pflege des heimatlichen Brauchtums auf die Fahne geschrieben hatte, 74 Mitglieder. In seinen Hochzeiten zählte die Gmoi das doppelte – zum Großteil Heimatvertriebene, aber auch Einheimische. Von den Egerländern wurden lange Zeit Heimatabende, Volkstumsnachmittage, Kappenabende und andere Veranstaltungen durchgeführt, Unvergessen auch der Auftritt von Ernst Mosch und seinen Original Egerländer Musikanten 1993 in Hofheim anlässlich der Fahnenweihe. Die Gmoi lud an Christi Himmelfahrt zum Maibaumfest mit Umzug und Holzfällerspiel ein sowie an Ostern zur Ostereiersuche, verköstigte an der Kerb die Gäste mit Spezialitäten aus der Heimat und beteiligte sich am Weihnachtsmarkt am Bürgerhaus. 

Der fehlende Nachwuchs, das Ausbremsen durch die Pandemie, aber auch „höhere Ausgaben als Einnahmen“, wie Kassenwart Horst Ackermann berichtete, seien mit ein Grund für die Auflösung. Außer den Mitgliedsbeiträgen habe es 2020 nichts zu verbuchen gegeben. Dem Rechner bestätigten die Kassenprüferinnen Kirsten Scherer und Gabi Ackermann eine einwandfreie Buchführung, der Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig. Laut Vereinssatzung des Egerländer Bundes geht der Kassenbestand bis zum Jahresende an diesen über. Bis dahin soll auch das Bürgerhaus ausgeräumt werden. 

Rita Sittauer dankte abschließend den passiven und aktiven Mitgliedern für die langjährige Treue und Unterstützung sowie allen freiwilligen Helfern, ohne deren Mitwirken die letzten Veranstaltungen nicht zu schaffen gewesen wären. „Wir hatten als Verein wirklich viele schöne Jahre und unvergessene Stunden miteinander, und es fällt mir nicht, leicht diese Zeit zu beenden.“ Die Vorsitzende hofft, dass die Gruppe sich auch weiterhin trifft und noch viel miteinander unternimmt. Das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen nach der Versammlung tat den Mitgliedern sichtlich gut. Petra Gahabka

 

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