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11.51 Uhr | 1. August 2019
Saisonüblicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen

Der Arbeitsmarkt im Juli

HESSEN – Die Arbeitslosenzahlen in Hessen sind im Juli saisonüblich im Vergleich zum Vormonat angestiegen. Zum Stichtag wurden rund 153.100 arbeitslose Frauen und Männer gezählt: +4,0 Prozent oder rund 5.800 Personen mehr. Somit wurde der niedrigste Monatswert in einem Juli seit 1992 erreicht. Die Arbeitslosenquote wuchs leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent an.

 

„Die gestiegene Arbeitslosigkeit ist in erster Linie auf junge Menschen unter 25 Jahren zurückzuführen. Viele haben nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung noch keine Anschlussbeschäftigung gefunden oder sind nach Schulende auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz. Dies ist eine saisontypische Entwicklung“, so Dr. Bettina Wolf, Leiterin Operativ der Regionaldirektion Hessen.

 

Die Chancen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Hessen zu bekommen sei gut, stellt Bettina Wolf fest: „Ausgebildete Fachkräfte sind gesucht und die Betriebe stellten auch in diesem Jahr wieder mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als noch 2018. Fast 13.200 Ausbildungsstellen sind derzeit noch unbesetzt. Selbst bei Bankkaufleuten und Handelsfachwirten gibt es noch Kapazitäten. Der Markt bietet viele Chancen, die geradezu danach rufen, genutzt zu werden und eine wirkliche Alternative zu einem weiteren Schulbesuch bieten, der schnell zu einer unnötigen Warteschleife wird.“

 

Dennoch geht die Arbeitsmarktexpertin davon aus, dass die Zahl der unbesetzten Lehrstellen Ende September hoch sein wird. „Die Tendenz sich eher gegen eine duale Ausbildung zu entscheiden, scheint ungebrochen. Ein weiterführender Schulbesuch oder ein Studium stehen hoch im Kurs. Es ist nicht verständlich, warum die Chancen einer Ausbildung nicht genutzt werden. Eine Ausbildung ist immer noch eine wichtige Versicherung gegen spätere Arbeitslosigkeit. Dies zeigen auch die Zahlen deutlich. Fast 88.000 aller hessischen Arbeitslosen haben keine Ausbildung“, so Bettina Wolf.

 

Derzeit gibt es in Hessen noch 13.222 gemeldete unbesetzte betriebliche Ausbildungsplätze. 10.789 Jugendliche sind noch auf der Suche.

Die Gesamtzahl der gemeldeten betrieblichen Stellen liegt mit 36.165 um 430 (+1,2 Prozent) höher als im letzten Jahr. Insgesamt 39.186 Jugendliche haben sich bisher an die Agenturen für Arbeit und Jobcenter in Hessen gewandt. Das sind 1.063 (-2,6 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat. Davon hatten 3.206 einen Fluchthintergrund.

 

Die meisten offenen Ausbildungsstellen gab es im Juli für Kaufleute im Einzelhandel (1.337), Verkäufer/innen (696) und Handelsfachwirte (510).

 

Arbeitslosigkeit in Hessen: Entwicklung im Juli

 

Im Juli 2019 waren insgesamt 153.144 Frauen und Männer in Hessen arbeitslos gemeldet. Das waren 5.864 Menschen mehr (+4,0 Prozent) als im Juni und 3.406 weniger (-2,2 Prozent) als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent. Im Juli 2018 lag die Quote noch bei 4,6 Prozent.

Saisonbereinigt gab es gegenüber dem Vormonat keine Veränderungen, zum Vorjahr wurde ein Rückgang um -4.000 Personen verzeichnet.

 

Wie für einen Juli üblich, stieg die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren mit dem Schulende und vor Ausbildungsbeginn nochmals deutlich an: +17,3 Prozent. Alle anderen betrachteten Personengruppen mussten ebenfalls einen Anstieg verzeichnen.

Veränderungen zum Vormonat: Frauen: +4,8 Prozent; Männer: +3,3 Prozent; Ausländer: +2,5 Prozent; Menschen ab 50 Jahren: +1,4 Prozent, Bei den Langzeitarbeitslosen gab es keine Veränderung.

Zum Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit bei allen Personengruppen: Langzeitarbeitslose: -11,7 Prozent; Jugendliche unter 25 Jahren: -3,9 Prozent; Frauen: -3,4 Prozent; Menschen ab 50 Jahre: -1,7 Prozent; Männer: -1,1 Prozent und Ausländer: -0,7 Prozent.

 

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im Juli 2019 auf 215.013 Personen. Das waren 4.148 weniger (-1,9 Prozent) als vor einem Jahr.

 

Entwicklung in den Rechtskreisen: Anstieg der Arbeitslosigkeit mehrheitlich im Rechtskreis SGB III

 

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlief saisonüblich für den Ferienmonat Juli. Die stärksten Zugänge mussten im Rechtskreis SGB III verzeichnet werden.

Der Anstieg der Zahlen gegenüber dem Vormonat vollzog sich wie folgt: Arbeitslosenversicherung (SGB III): +9,4 Prozent, Grundsicherung (SGB II) +1,1 Prozent. Insgesamt zählten im Juli 36,8 Prozent (56.343) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III. 63,2 Prozent (96.801) waren dem Rechtskreis SGB II zugeordnet.

 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Weiterhin Beschäftigungsanstieg

 

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt weiter an. Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung für Mai 2019 belief sich auf 2.632.900. Mit einem Anstieg um +1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt Hessen somit weiterhin leicht über dem Niveau des Bundes (+1,7 Prozent).

Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zeigte sich in allen Wirtschaftszweigen, lediglich die Arbeitsnehmerüberlassung weist mit -8,1 Prozent deutliche Rückgänge auf.

Der beschäftigungsstärkste Bereich in Hessen bleibt das Verarbeitende Gewerbe mit rund 460.000 Personen.

 

Offene Stellen: Stellenzugänge im Juli rückläufig

 

Im Juli 2019 waren bei den hessischen Arbeitsagenturen und Jobcentern insgesamt 56.386 offene Stellen gemeldet. Das waren 1.359 Stellen (-2,4 Prozent) weniger als noch vor einem Jahr. Der Stellenzugang lag im Juli mit 12.271 (-8,8 Prozent) unter dem Niveau des Vormonats und 3.558 (-22,5 Prozent) unter dem des Vorjahres.

 

Regionen: 12 Kreise blieben unter vier Prozent-Marke

 

Aktuell weisen 12 der 26 hessischen Kreise eine Arbeitslosenquote von unter 4,0 Prozent auf. Der Landkreis Fulda liegt mit einer Quote von 2,8 Prozent im Hessenvergleich am niedrigsten. Unter der Vier-Prozent-Marke lagen weiter die Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg, Limburg-Weilburg, Hochtaunus, Rheingau-Taunus, Main-Taunus und der Kreis Bergstraße. Die höchste Arbeitslosenquote gab es mit 8,3 Prozent in der Stadt Offenbach.

Den deutlichsten Rückgang der Arbeitslosenzahlen zum Vorjahr gab es in den Kreisen Kassel und Lahn-Dill (beide -7,2 Prozent).

Die Arbeitslosenquoten der Regierungsbezirke Kassel, Gießen und Darmstadt verteilten sich wie folgt: Kassel: 4,1 Prozent, Gießen: 4,5 Prozent, Darmstadt: 4,6 Prozent.

 

 

Flüchtlinge: 11 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen haben einen Fluchthintergrund

 

Im Juli 2019 waren 16.741 Menschen mit einem Fluchthintergrund arbeitslos gemeldet. Das waren rund 836 Menschen mehr als noch vor einem Jahr. 37.376 Personen waren im Juli arbeitsuchend gemeldet, 1.982 weniger als im Vorjahrsmonat und somit rund 13,0 Prozent aller Arbeitsuchenden in Hessen.

 

 

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Geschrieben in Worms

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