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15.58 Uhr | 10. März 2016
Infoveranstaltung für Unternehmen aus der Region gut besucht / Wirtschaftsförderung Bergstraße unterstützt Projekt STAIR

Ausländische Studierende und Hochschulabsolventen in der Region halten

Bei der Veranstaltung wurde aufgezeigt, wie Brücken zwischen Hochschule und Wirtschaft funktionieren können. Im Bild (von rechts): Diana Schilling (Leiterin Standortmarketing Wirtschaftsförderung Bergstraße), Geschäftsführer Dr. Matthias Zürker, STAIR-Projektleiterin Stefanie Rauh, Professor Anton Wengert, Bürgermeisterin Barbara Schader, Landrat Christian Engelhardt, Petra Simon (Nibelungenfestspiele), Dr. Marcus Walden (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Worms-Alzey-Ried), Xénia Grazeilla Sama Ekouma und Teodora Peeva. Foto: Hannelore Nowacki

Bei der Veranstaltung wurde aufgezeigt, wie Brücken zwischen Hochschule und Wirtschaft funktionieren können. Im Bild (von rechts): Diana Schilling (Leiterin Standortmarketing Wirtschaftsförderung Bergstraße), Geschäftsführer Dr. Matthias Zürker, STAIR-Projektleiterin Stefanie Rauh, Professor Anton Wengert, Bürgermeisterin Barbara Schader, Landrat Christian Engelhardt, Petra Simon (Nibelungenfestspiele), Dr. Marcus Walden (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Worms-Alzey-Ried), Xénia Grazeilla Sama Ekouma und Teodora Peeva. Foto: Hannelore Nowacki

BÜRSTADT – Was spricht dafür, ausländischen Studierenden einen Praktikumsplatz anzubieten? Oder Hochschulabsolventen mit ausländischem Pass als Mitarbeiter in den Betrieb zu holen? Sehr viel, wie das im Oktober ins Leben gerufene Projekt STAIR mit seinem Konzept bereits erarbeitet hat. Bei der Informationsveranstaltung zum Thema „Internationale Hochschulabsolventen für die regionalen Unternehmen“ am Montagabend im Festsaal des Historischen Rathauses hörten die rund 50 Teilnehmer, Unternehmer aus dem gesamten Kreis Bergstraße, dass diese Studierenden und Absolventen ein großes Potenzial und hohe Motivation mitbringen. Auch die deutsche Sprache haben sie erlernt, vielfach sind sie außerhalb des Studiums vernetzt und ehrenamtlich aktiv. Mit dem Arbeitsmarkt und der Kultur sind sie vertraut. Stefanie Rauh, Projektleiterin an der Wormser Hochschule von STAIR, sprach in ihrem Vortrag von „Idealzuwanderern“. Und: „Sie sind bereits hier, man muss sie nicht erst suchen“. Aber was ist, wenn diese Bewerber mit Akzent sprechen und sich im schriftlichen Ausdruck womöglich Fehler finden? Viele Unternehmen wollen nur akzentfrei sprechende Mitarbeiter einstellen, wusste Projektleiterin Rauh zu berichten. Sie spricht sich für mehr Toleranz aus, die sich als Win-Win-Situation für beide Seiten auszahle. Dafür gebe es schon viele Beispiele. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland halte sogar ausländische Studierende für wichtig, habe eine Studie ergeben. Aber „es läuft noch nicht rund“. Dabei stehe Deutschland mit 260.000 ausländischen Studierenden, das sind 10 Prozent aller Studenten, an der weltweiten Top-5-Spitze. Von zehn Studenten möchten acht hier bleiben und arbeiten, doch nur vier von zehn könnten diesen Wunsch verwirklichen. Professor Anton Wengert, der an der Hochschule Ludwigshafen Personalmanagement und Personalführung lehrt, berichtete aus Erfahrungen an seiner Hochschule, dass die ausländischen Studenten große Probleme haben, einen Praktikumsplatz zu finden. Sogar Betriebe für einen Pflichtpraktikumsplatz zu gewinnen sei nicht einfach. Den Unternehmen macht er Mut: Denn rechtliche Probleme seien nicht zu befürchten. Großbetriebe hätten mehr Erfahrung, schwierig sei es für ausländische Praktikanten und Bewerber aktuell bei Klein- und Mittelbetrieben, die noch keine Erfahrung hätten und einen höheren Betreuungsaufwand fürchten. In Ludwigshafen bezieht das Projekt zurzeit die Studiengänge IT, Logistik sowie Internationale Betriebs- und Außenwirtschaft ein, an der Wormser Hochschule geht es um Informatik, Touristik/Verkehr und Wirtschaftswissenschaften. Zwei sympathische junge Frauen berichteten den Teilnehmern von ihren Erfahrungen. Die 24-jährige Teodora Peeva aus Bulgarien, die seit sechs Jahren in Deutschland lebt, hatte großes Glück. Petra Simon, Betriebsdirektorin und Prokuristin der Firma Nibelungenfestspiele suchte für den Schauspieler Erol Sander, der den bulgarisch sprechenden König Etzel spielen sollte, jemanden, der ihm das Bulgarische beibringen sollte. An der Wormser Hochschule fand sie die geeignete Kraft, die sie als Praktikantin einstellte. „Mit ihrer sensiblen Art mit Schauspielern umzugehen passte Teodora Peeva hervorragend in unser kleines Team“, erklärte sie begeistert. So kam es auch, dass sie nach ihrem Studium der Touristik an der Wormser Hochschule bei den Nibelungenfestspielen eine Festanstellung erhielt. Professor Wengert stellte die 29-jährige Xénia Grazeilla Sama Ekouma aus dem zentralafrikanischen Land Gabun vor, die gerade ihren Masterabschluss in Mathematik mit der Note 1,3 bestanden hat und von Haus aus Französisch spricht. Vor vier Jahren kam sie nach Deutschland, um hier ihr Masterstudium zu beginnen. Bei der Chemiefirma Grace konnte sie ihr Praktikum absolvieren, eine gute Erfahrung in jeder Hinsicht, wie sie berichtete, durch die Gespräche dort verbesserte sie auch ihr schon sehr gutes Deutsch. Professor Wengert wies die Teilnehmer darauf hin, dass Unternehmen auch von den Fremdsprachen und den interkulturellen Fähigkeiten der ausländischen Bewerber profitieren können: „Es kommen motivierte, weltoffene Studenten“. Fragen aus dem Plenum und die Diskussion mit den Referenten moderierte Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße. Das Schlusswort sprach der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, Direktor Dr. Marcus Walden. Er erinnerte daran, dass die Sparkasse zu den Gründungsmitgliedern der Wirtschaftsförderung Bergstraße gehörte und zollte der Veranstaltung, die von der Sparkasse gesponsert wurde, Anerkennung als „tolle Initiative die Wirtschaft zu stärken“. Das Angebot, beim anschließenden Imbiss vertiefende Gespräche zu führen, wurde von den Teilnehmern lebhaft genutzt. Hannelore Nowacki

Information

Mit dem Projekt STAIR – „Studieren, Arbeiten und Integration am Rhein – als Brücke zwischen Hochschule und Wirtschaft“  soll es ausländischen Studierenden und Hochschulabsolventen in der Metropolregion und im Kreis Bergstraße mit systematischer Förderung und Begleitung ermöglicht werden, bei Betrieben in der Region einen Praktikumsplatz und Arbeitsplatz zu finden. Integrationsbereite Unternehmen sind aufgerufen, das Potenzial der „internationalen Hochschulabsolventen“ zu nutzen. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH als Partner dieser Initiative der Hochschule Worms und Hochschule Ludwigshafen unterstützt das Projekt und berät die Wirtschaft in der Region. Auch Klein- und Mittelbetriebe sollen sich angesprochen fühlen. Landrat Christian Engelhardt, auch Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung Bergstraße, sprach sich in seiner Einführung zum Thema „Wirtschaftsregion Bergstraße – ein internationaler Standort“ für die Nachwuchsgewinnung aus dem Kreis der ausländischen Studierenden aus. Mit seinen  18.600 Unternehmen und 66.000 Beschäftigten sei der Kreis Bergstraße einer der stärksten Wirtschaftsstandorte in Südhessen. Es gebe „fast keine Jugendarbeitslosigkeit“ und mit vier Prozent Arbeitslosenquote „nahezu Vollbeschäftigung“. Bürgermeisterin Barbara Schader wertete die Informationsveranstaltung als „richtungsweisend“ und befürwortete, die Weichen für die Nachwuchsgewinnung frühzeitig zu stellen, nicht erst am Ende des Studiums, und „gemeinsam weiterzudenken“.

 

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