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14.46 Uhr | 2. Februar 2017
Bebauung des Messplatzes: Bürgermeisterin Schader weist auf Bebauungsplanverfahren mit Bürgerbeteiligung hin

Verärgerte Anwohner und Unterstützer übergaben Bürgermeisterin Petition und Brief mit Unterschriften

Als Sprecher der Messplatzanwohner und Initiator der Online-Petition überreichte Ralf Deibert Bürgermeisterin Barbara Schader die Unterschriftenlisten der Unterstützer und das an sie adressierte Schreiben der Messplatzanwohner. Foto: Hannelore NowackiBOBSTADT – Bürgermeisterin Barbara Schader empfing am Dienstagabend angemeldeten Besuch im Rathaus. Die elf Bobstädter Einwohner und Einwohnerinnen hatten eine Petition und einen an die Bürgermeisterin adressierten Brief mit 27 Unterschriften von Messplatz-Anwohnern mitgebracht. In ihrem Brief an die Bürgermeisterin schreiben die Anwohner des Messplatzes: „Wir wurden nie befragt, auch niemand hat mit uns gesprochen“. Beides  überreichte Ralf Deibert, der die Online-Petition auf den Weg gebracht hatte. „Ich nehme es entgegen“, sagte Schader, sie werde die Politiker informieren. Allerdings sei sie eigentlich die falsche Adresse, die damit an sie gerichteten Erwartungen könne sie nicht erfüllen. „Ich kann niemanden zwingen, die Gremien können eigenständig agieren“. Nach der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) seien Verwaltung und Bürgermeisterin  nur ausführendes Organ der Parlamentsbeschlüsse. Im Ortsbeirat sei die vorliegende Planung beschlossen worden, auch der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss habe zugestimmt. Nach der gemeinsamen Sitzung im Briebelsaal mit zuvor veröffentlichter Tagesordnung seien die Beschlüsse gefasst worden. Bürgermeisterin Schader stellte zur aktuellen Lage fest: „Es gibt einen Protest, aber ich habe einen rechtskräftigen Beschluss“. Ihre Bitte und Empfehlung an die Anwohner und deren Unterstützer: Sie mögen sich an Ortsvorsteher Uwe Metzner wenden. In entspannter Atmosphäre meldeten sich einige Bobstädter zu Wort, um ihre Meinung und Gefühle zu erläutern. „Man wird einfach ignoriert, es ist eine ganz unschöne Atmosphäre entstanden“, beklagte sich eine Bobstädterin. Schader sprach von einem „konstruktiven Dialog“, der nötig sei. „Sobald das öffentliche Verfahren anläuft, sind Sie mit im Boot“, teilte Bürgermeisterin Schader mit. Ganz bewusst werde die Bebauung nicht nach § 34 Baugesetzbuch abgewickelt, sondern im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens, „bei dem Sie die Möglichkeiten haben, Ihre Anliegen geltend zu machen“. Schader rief die lange Geschichte der Überlegungen zur Messplatzbebauung ins Gedächtnis. Nach der ersten Ausschreibung, die bei Investoren keine Resonanz gefunden hatte, habe die Verwaltung einen eigenen Vorschlag mit kleinen Einheiten gemacht, der jedoch dem Wunsch nach verdichteter Bebauung entgegenstand. Einen Beschluss könne sie als Bürgermeisterin nur einkassieren, wenn dieser einer Gesetzeslange widerspreche. Nach den Protestaktionen im Zusammenhang mit der beabsichtigten Bebauung des Messplatzes habe sie sich zur Informationsveranstaltung im vergangenen November entschlossen, um auf das Bauvorhaben einzugehen. Eingeladen waren die Anwohner, der Ortsbeirat, der Arbeitskreis Dorfentwicklung und die Fraktionsvorsitzenden. Wie sich dabei deutlich zeigte, wird die Begeisterung für die geplante Messplatzbebauung im Bürstädter Ortsteil Bobstadt nicht von allen Bürgern geteilt. Mit ihrer Online-Petition haben die verärgerten Anwohner und Unterstützer mittlerweile weitere Unterstützer in Bürstadt und auch weit über die Kreisgrenzen hinaus gefunden. Gezeichnet wurde die Petition mit der Forderung „Kein 4-stöckiges Wohnhaus im Ortskern von Bobstadt“ bis zum Abschluss am 25. Dezember 2016 von 236 Unterstützern, von denen 183 eine Adresse in Bürstadt angegeben haben. Ausgelegte Listen erbrachten 53 Unterschriften.  

Der Petitionstext gibt Aufschluss, was die Bobstädter Initiatoren bewegt. Dem Ortsteil erteilen sie das Prädikat „Pendlerort mit allen Nebenerscheinungen“, „eine sehr dünne Infrastruktur“,  es fehle an Gastronomie vor Ort, auch Ärzte oder Apotheke gebe es nicht. Einen Bedarf für „Betreutes Wohnen“ sehen sie daher nicht. Das geplante Gebäude mit elf Wohnungen und einer Firsthöhe von etwa 12,50 Metern sehen sie als „Klotz“, der nach Bauform und Höhe nicht zur Umgebung passe, befürchtet wird die Beschattung der Anwohnergrundstücke. Sie stellen die Fragen: „Wer hat eigentlich etwas von der Bebauung? Wer sind die Profiteure?“ Hannelore Nowacki

 

 

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Protest gegen geplante Bebauung des Messplatzes – Misstrauen und Befürchtungen

In Sachen Messplatzbebauung hat es im Arbeitskreis Dorferneuerung viele Überlegungen und Diskussionen gegeben, öffentlich und für jeden zugänglich. Mitarbeiten konnte jeder, ein Auswahlverfahren gab es nicht. Auch war in Berichten nachzulesen, was besprochen und beschlossen wurde. Auch die Sitzungen von Ortsbeirat und Ausschüssen wie Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss sind öffentlich. Aus demokratischen Wahlen sind diese Gremien hervorgegangen und entscheiden nach dem Mehrheitsprinzip. Von einer überraschenden Entwicklung kann man eigentlich nicht sprechen. Dass Pläne geändert und neue Beschlüsse gefasst wurden, ist kein Fehler, sondern geänderten Rahmenbedingungen zuzurechnen. An Transparenz fehlte es nicht. Im Protest der Anwohner, der auch von Unterstützern mitgetragen wird, fällt das Misstrauen auf, Netzwerke und Machenschaften werden vermutet. Dabei sind Fakten und Zahlen, die ja vorliegen, und der sachliche Dialog der bessere Weg. Tatsächlich gibt es Bedarf an altersgerechten Wohnungen auch in Bobstadt und die innerörtliche Verdichtung schont Landschaft und Ackerland. Hochhausmonster werden hier nicht entstehen, doch der Blick aus dem Fenster wird sich ändern, wenn es zur Messplatzbebauung kommt, was über Jahrzehnte wie natürlich gegeben schien, ändert sich, steht im Weg. Das zu verkraften ist sicher nicht einfach.

Hannelore Nowacki

 
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