„Können Frühförder- und Beratungsstelle so nicht mehr lange finanzieren“
Der Vorsitzende der Lebenshilfe, Günther Baus (2.v.r.), erläuterte den Mitgliedern der SPD-Kreistagsfraktion um deren Fraktionsvorsitzenden Josef Fiedler (2.v.l.) und den Kreistagsmitgliedern Marius Schmidt (3.v.l.) sowie Brigitte Stass (3.v.r.) engagiert die aktuelle Situation der Frühförder- und Beratungsstelle. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Eigentlich war es als Informationsbesuch rund um die Kita Schwalbennest und die Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe gedacht, doch rasch rückte beim Besuch der SPD-Kreistagsfraktion am Montag die schwierige finanzielle Situation der Frühförder- und Beratungsstelle in den Mittelpunkt. Denn diese ist bei Fortbestand der aktuellen vertraglichen Situationen nicht mehr dauerhaft finanzierbar. „Wir haben alleine im vergangenen Jahr etwa 64.000 Euro im Bereich der Therapie zuschießen müssen. Dies ist Geld, das wir nicht haben, das wir aus Spenden generieren müssen. Eltern haben ein Anrecht auf Beratung und Unterstützung bei einem behinderten Kind“, erläuterten der Vorsitzende der Lebenshilfe, Günther Baus, und Susanne Bürkelbach, Leiterin der Frühförder- und Beratungsstelle, den Kreispolitikern.
„Wir arbeiten mit den Kindern von Geburt an bis zur Einschulung. Die Eltern melden sich, wir gehen in die Familien zu Erstgesprächen und sehen dann, wie das Kind durch unsere Frühförderstelle interdisziplinär gefördert werden kann, durch das Team aus Pädagogen und Therapeuten, aus einer Hand“, beschrieb Susanne Bürkelbach die Arbeit der Frühförderstelle. „Der therapeutische Bereich ist dabei unterfinanziert, trotz Fördermittel des Kreises, die aber leider nicht ausreichen.“
Ein wesentliches Problem stellt hier die Tatsache dar, dass die Kosten für die Therapeuten von den Krankenkassen übernommen werden – aber ausschließlich für reale Beratungszeit, nicht aber für interne Kommunikation oder lange Anfahrtswege und -zeiten. Das bedeutet, alle internen Gespräch und Aktionen, die gesamte interdisziplinäre Arbeit ginge verloren, wenn die Therapeuten sich rein auf die Therapie konzentrieren würden. Und diese interdisziplinäre Arbeit sei es, welche den Erfolg der Arbeit der Lebenshilfe ausmache und direkte den Kindern und Eltern zugute käme.
„Unser Anliegen ist es, dass die Frühförderstelle nicht jährlich neue Verträge schließen muss, sondern das für die kommenden Jahre auch im Bereich der Therapie eine 100-Prozent-Finanzierung gesichert ist – auch bei den sogenannten Risikofällen, falls eine Mitarbeiterin schwanger wird oder Mitarbeiter länger krank sind“, stellten Günther Baus und Susanne Bürkelbach klar. Diese Situation war früher einmal gegeben, aber jetzt hänge „ein Damoklesschwert über den Therapeuten, die nicht wissen, wie lange sie hier noch beschäftigt sein können. Die Lebenshilfe Lampertheim besteht seit 30 Jahren in dieser Form, und wir wollen, dass diese auch weiterhin so besteht.“
Die angespannte Situation, aber auch die Hoffnung in diesen Besuch von Seiten der Politik war beiden Vertretern der Lebenshilfe ins Gesicht geschrieben. „Wir haben mit dem Landrat und der Ersten Kreisbeigeordneten ein Gespräch, welches dringen notwendig ist und aufgrund der finanziellen Situation bald geführt werden muss. Denn so wie es jetzt ist können wir noch ein bis zwei Jahre durchhalten, aber langfristig ist der Zustand nicht haltbar. Wir müssen dieses Problem jetzt lösen und die Bedingungen für die Finanzierung der Frühförderstelle, die kreisweit tätig ist, dauerhaft klären“, betonten Günther Baus und Susanne Bürkelbach.
Aufmerksam verfolgten die sozialdemokratischen Politiker die Ausführungen, interessiert stellten sie immer wieder Nachfragen, um die gesamte Komplexität zu verstehen und zu hinterfragen. Josef Fiedler, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, versprach anschließend im Namen seiner Fraktion: „Wir werden uns um dieses Thema kümmern und bemühen. Denn besonders durch den integrativen Ansatz ist die Arbeit, die hier vor Ort geleistet wird, für alle Beteiligten erfolgreich. In einer Praxis ist ein Therapeut zeitlich durchgetaktet, so dass sich nach der Abrechnung mit der Krankenkasse dieses Arbeit lohnt. Es kann aber nicht sein, dass in einer Einrichtung wie dieser Therapeuten arbeiten, die mit allem anderen, was hier geschieht, nichts zu tun haben. Hier muss eine andere finanzielle Lösung gefunden werden.“ Aus diesem Anlass möchte die SPD die Gespräche mit der Lebenshilfe fortführen und positiven Einfluss auf deren anstehenden Gespräche mit Landrat Christian Engelhardt und den beiden Kreisbeigeordneten Diana Stolz und Karsten Krug. Sehr zur Freude des Teams der Lebenshilfe, die sich über die Unterstützung positiv erfreut zeigten und hoffnungsvoll in die Zukunft der Frühförder- und Beratungsstelle schauen. Benjamin Kloos







