Sie sind hier: Home » Lampertheim und Stadtteile » „Von der Wiese auf den Teller“
09.36 Uhr | 6. Juni 2016
Botanische „Ess“kursion auf dem Biedensand mit Klaus Feldhinkel vom NABU (Naturschutzbund) Lampertheim

„Von der Wiese auf den Teller“

Klaus Feldhinkel vom NABU Lampertheim erklärte den Teilnehmern die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Pflanzen, die am Wegrand im Naturschutzgebiet aufgefunden wurden. Foto: Sigrid Samson

Klaus Feldhinkel vom NABU Lampertheim erklärte den Teilnehmern die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Pflanzen, die am Wegrand im Naturschutzgebiet aufgefunden wurden. Foto: Sigrid Samson

LAMPERTHEIM – Das heftige Gewitter hatte sich am Sonntag um 14 Uhr fast pünktlich verzogen, als die botanische Exkursion im Naturschutzgebiet Bonaue am Parkplatz Branntweinbrücke an der Natostraße startete. Von Regen war keine Spur mehr und sogar die Sonne ließ sich sich wieder blicken. Unter dem Motto „Von der Wiese auf den Teller“ gab es allerlei Interessantes aus der Welt der Pflanzen zu erleben.

„Vieles kann man essen, wenn man es möchte“, begrüßte Gärtnermeister und Pflanzenexperte Klaus Feldhinkel vom NABU Lampertheim die Anwesenden. Er ermunterte die Teilnehmer, sich aktiv zu beteiligen und zwischendrin immer mal wieder stehen zu bleiben und nachzufragen, wenn sie etwas Unbekanntes entdecken. Davon machten die Naturinteressenten auch regen Gebrauch. „Nehmt euch ein Beispiel an Kindern“, regte Feldhinkel an, „denn Kinder brauchen beispielsweise für ein kleines Stück von 40 Metern durch Omas Garten unter Umständen sogar  Stunden, da sie immer wieder etwas Neues sehen und erforschen wollen“.

Wenn es bei den Fragen der Teilnehmer etwas tiefer ins Detail ging, griff Feldhinkel auch schon mal nach seinen beiden Taschenbüchern, die er bei solchen Exkursionen immer mit sich führt: „Exkursionslora durch Deutschland“ und „Was blüht denn da?“. Er erklärte und berichtete auf dem kleinen, aber interessanten Weg beispielsweise über das Klettenlabkraut mit der botanischen Bezeichnung ‚galium aparine‘. Die Stängel der Pflanze sind mit winzigen Widerhäkchen versehen und haften somit an der Kleidung oder an Tierfellen, weshalb es volkstümlich auch Klebkraut genannt wird. Die etwas gelbliche Variante davon wurde früher für die Käseherstellung verwendet. Die jungen Triebe des gefundenen Wiesenlabkrauts sind  essbar, ansonsten dient es zum Aromatisieren oder kann als Gemüse verzehrt werden. Weiter ging es unter anderem zum nächsten Klassiker, der Brennessel, die als Heilpflanze dient und dessen Samen ebenfalls essbar sind – sie ist auch als Smoothie sehr gesund, dient getrocknet als Tee zum Entwässern oder schmeckt auch gekocht als Gemüse. Ebenso wurde die Hundsrose am Wegesrand entdeckt, deren junge Blätter, Früchte und Blüten man essen kann, die sich aber auch gut zur Herstellung von „Schmersel“ – Marmelade auf Lambaddarisch – eignet. Auch Schilf, Baldrian, Kamille, Holunder, Hopfen und Fingerkraut wurden näher unter die Lupe genommen. Sogar ein ausgewilderter Spargel war am Wegrand zu finden. Für Wunden und Insektenstiche eignet sich der entdeckte Spitzwegerich, dessen junge Triebe ebenfalls essbar sind. Feldhinkel reichte während seinen Erläuterungen die einzelnen Pflanzen im Teilnehmerkreis herum, damit jeder sie näher betrachten und daran riechen konnte. Besonders stach der Knoblauchgeruch der Knoblauchranke in die Nase.

Eine kleine Anekdote konnte Feldhinkel über die Stiefmütterchen erzählen, die in Lampertheim als „Lingeliebscha“, in Heidelberg als „Gsichtlien“ und in Mannheim als „Pensee“ bezeichnet werden. „Botanische Namen sind keine Lateinischen Namen“ hob der Pflanzenkundler hervor, denn auch griechische und andere Spracheinflüsse finden sich unter den Bezeichnungen.
Insgesamt war es eine interessante Veranstaltung, nicht nur für Botaniker, sondern für alle, die beim nächsten Ausflug auf den Biedensand die Natur mit etwas anderen Augen betrachten möchten. Eine weitere botanische „Ess“kursion wird es am Sonntag, 3. Juli, geben – Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Parkplatz Biedensand. Sigrid Samson

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen