„Gib mir mein Gefühl zurück – wie Gefühle dem Verstand auf die Sprünge helfen“

Über 300 Mitglieder und Gäste aus dem ganzen südhessischen Raum lauschten dem beeindrucken Vortrag von Anja Gräfin von Kanitz. Foto: Willi Bilau
KREIS BERGSTRASSE – Zum neunten Mal eine volle Stadthalle in Gernsheim, eine neue temperamentvolle Landesvorsitzende Hildegard Schuster, Landfrauen von nah und fern, viele geladene Gäste, mit Anja Gräfin von Kanitz eine kompetente Referentin und ein einladendes Themenbuffet „Zu gut für die Tonne“ – echte Pfunde, mit denen die Vorsitzende des gastgebenden Landfrauenbezirks Heppenheim, Marita Billau, wuchern konnte.
Getreu nach dem Motto der Bergsträßer Landfrauen „Tradition mit frischem Wind“ stellte sich Hildegard Schuster der Versammlung vor. Sie bedankte sich herzlich bei den Anwesenden für das ihr entgegengebrachte Vertrauen und zeigte sich offen für Anregungen und Kritik aus den Reihen der Landfrauen-Basis. Sie zeigte auf, wo die Schwerpunkte ihrer zukünftigen Arbeit liegen und welche Forderungen der stärkste Frauenverband in Hessen an die Politik stellen wird, bezüglich Landwirtschaft und Frauenthemen.
Nun aber – Rednerpult frei für Anja Gräfin von Kanitz. Seit 15 Jahren ist sie Inhaberin des Institutes Kanitz Kommunikation & Rhetorik. Die studierte Sprach- und Sprechwissenschaftlerin aus Marburg ist Spezialistin für die Optimierung mündlicher Kommunikations-Prozesse. Sie coacht Führungskräfte in Gesprächs- und Verhandlungsführung und ist nun Gastrednerin bei den Landfrauen.
In Anlehnung an ein Zitat von Woody Allen berichtet Anja von Kanitz von der Schwierigkeit, Herz und Kopf in Einklang zu bringen. Im Geschäftsleben werden Gefühle oft als störend empfunden, und doch sind Gefühle immer und überall im Spiel. Trotz dieser Erkenntnis wird meist nur der Verstand trainiert. Das Gefühl aber werde gebraucht, um Situationen blitzschnell zu bewerten, das kann sogar lebensrettend sein. Gefühle versorgen uns mit Handlungsimpulsen, geben Antrieb und Energie, helfen bei Planung und Entscheidung. Gefühle senden Signale aus. Sie zeigen Trauer, Wut und Enttäuschung – dementsprechend verhelfen sie dazu, entsprechend zu reagieren. Von Kanitz verglich dies anschaulich mit einem Eisberg. Der kleine Teil, der aus dem Wasser ragt, ist der Verstand, der viel größere Teil unter Wasser ist der auf Erfahrung basierende Bereich der Gefühle. Gefühle sind konservativ. Sie sind nicht in der Lage, auf neue Daten oder besondere Situationen zu reagieren, und sie können irren. Hier kommt der Verstand ins Spiel.
Von Kanitz rät: Achten sie frühzeitig auf die Signale ihres Körpers – Änderung des Herzschlags, Muskelspannung, Hautdurchblutung, Appetitlosigkeit, Konzentrationsmängel oder Unruhe. „Wenn Gefühl und Verstand nicht übereinstimmen, dann nehmen sie sich für Entscheidungen Zeit. Suchen sie einen Therapeuten auf, wenn belastende Gefühle sich nicht mehr verdrängen lassen.“ Sie beendet ihren Vortrag mit dem Rat: „Sorgen Sie dafür, dass Kopf und Herz freundlich miteinander verkehren, zusammen sind sie genial.“ zg






