Akutmedizinische Tagung fördert Dialog zwischen Rettungsdiensten und Klinik
KREIS BERGSTRASSE – Geht es um die klinische Versorgung von Unfallopfern, kommt der Unfallchirurgie am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim zentrale Bedeutung in der Region zu. Nicht minder wichtig ist aber auch das Zusammenspiel von Krankenhaus und Rettungsdiensten. Damit alle Beteiligten um die Belange des anderen wissen und bestmöglich Hand in Hand arbeiten, hat das Kreiskrankenhaus die „Bergsträßer Akutmedizinische Tagung“ ins Leben gerufen. Im Vorjahr war Premiere, jetzt erlebte die Veranstaltung im Heppenheimer Wicom-Forum ihre zweite Auflage, Themenschwerpunkt war die Versorgung von Trauma-Patienten, also von Menschen mit Unfallverletzungen.
Organisiert wurde die Tagung vom Fachbereich Anästhesie und Intensivmedizin des Kreiskrankenhauses. Regie führten Chefarzt PD Dr. Armin Kalenka gemeinsam mit Professor Dr. Erik Popp, Oberarzt und Sektionsleiter Notfallmedizin an der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, unter dessen Dach das Bergsträßer Krankenhaus arbeitet. Referenten aus regionalen Krankenhäusern, Uniklinken und dem Rettungsdienst standen bei der Tagung für die interdisziplinäre Versorgung von Notfallpatienten. Fast 120 Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Krankenhäusern nahmen an der Veranstaltung teil, die Forum zur Fortbildung und zum Erfahrungsaustausch war.
Dr. Kalenka sieht die Resonanz als Zeichen des großen Interesses am Dialog. Eben der soll gefördert werden, um eine bestmögliche Versorgung von Unfallopern im Kreis Bergstraße sicherzustellen. Wichtig ist dabei ein standardisiertes Handeln von Ärzten, Sanitätern und Pflegekräfte. Im Zentrum der Veranstaltung stand das sogenannte ABCDE-Modell, das ein klar definiertes schrittweises Vorgehen vorschreibt und aus Amerika übernommen wurde.
Mit Dr. Matthias Leiner war einer der führenden Köpfe der Unfallchirurgie am Kreiskrankenhaus (Chefarzt PD Dr. Peter Arnold, Sektionsleiter Dr. Josef Rossmann) in der Reihe der Referenten. Sein Thema: Die Versorgung von Beckenfrakturen. Hier, so die klare Ansage, geht es vor allem darum, die zumeist starken, nicht selten lebensbedrohlichen Blutungen durch ein Ruhigstellen und durch Kompression zu stoppen. Das Kreiskrankenhaus Bergstraße ist Notfallstandort, in der Unfallchirurgie werden jährlich rund 1.300 Verletzte aus der gesamten Region operiert. Das Haus ist als Traumazentrum zertifiziert und Teil des Traumanetzwerks Kurpfalz. Als einziges Zentrum innerhalb des Dreiecks zwischen Heidelberg, Mannheim und Darmstadt ist es wichtige Anlaufstelle für die Rettungsdienste. Die Zugehörigkeit zum Netzwerk und zum Uniklinikum Heidelberg ermöglicht bei komplexen Fällen, vor allem bei neurochirurgischen Eingriffen, einen schnellen Zugang zur universitären Medizin.
Die meisten Verletzten, die im Kreiskrankenhaus behandelt werden, sind Opfer von Verkehrsunfällen auf den Straßen des Kreisgebietes. Wobei Dr. Leiner bilanziert, dass aufgrund der modernen Sicherungssysteme in Autos die Schwere der Verletzungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Zumeist müssen die Unfallchirurgen hier Rippenbrüche, Brustbeinbrüche, Handgelenkbrüche und/oder stumpfe Bauchtraumata behandeln. Aber auch Stürze und Sportunfälle sind nicht selten. Bei Letztgenannten rangieren Mountainbiker weit oben in der Statistik. Und bei der Art der Verletzungen, die von den Unfallchirurgen behandelt werden, stehen die bereits genannten Handgelenkbrüche sowie Sprunggelenkbrüche vorne.
Mit der Inbetriebnahme eines Schockraums hat das Kreiskrankenhaus vor zwei Jahren die Versorgung von Unfallopfern mit Polytrauma, also mehreren und auch lebensbedrohlichen Verletzungen, weiter verbessert. „Die Versorgung für den Patienten ist optimal“, erklärt Dr. Leiner. Die Arbeit ist an internationalen Standards ausgerichtet, die sicherstellen, dass keine Verletzung unerkannt bleibt. Als einen großen Fortschritt in der Unfallchirurgie wertet der Oberarzt die Möglichkeit, dass heutzutage viele Brüche minimalinvasiv durch das Einsetzen sogenannter winkelstabiler Platten geheilt werden können. Die zunehmende Herausforderung der Zukunft sieht er in der Hilfe für ältere Unfalloper, bei denen Osteoporose in Kombination mit künstlichen Gelenken ganz eigene Verletzungsmuster am Knochen hervorrufen können. Aber auch darauf sind Dr. Leiner und das Team in der Unfallchirurgie vorbereitet. zg






