Marie-Luise, Chiara und Julian wollen eine schöne Stadt
LAMPERTHEIM – Am Bahnhof, besonders aber in der Unterführung zu den Gleisen sieht es schlimm aus – wilder Müll liegt herum, ganz viele winzige Teile, unzählige Zigarettenkippen, Tüten und getragene Masken. Ein hässliches Gemisch. Ein Müllbehälter am Aufgang zu Gleis 1 hilft offensichtlich nicht, manche Leute lassen einfach alles fallen. Dabei sieht die Stadt Lampertheim keineswegs tatenlos zu: Dreimal in der Woche kommen die Technischen Betriebsdienste seit ein paar Wochen zum Säubern im Kundenbereich des Bahnhofs und auf der Radwegverbindung zum Fachmarktzentrum, früher hat zweimal wöchentlich gereicht. Davon berichtete Katja Stotz-Sen, Mitarbeiterin der Ordnungsbehörde und Koordinatorin der Müllkampagne, die im Oktober auf dem Europaplatz an den Start ging. Ein massives Problem, so nennt sie die Lage am Bahnhof. Tatkräftige Unterstützung für Sauberkeit durch Müllaufsammeln haben Stadt und Bürger seit einigen Jahren von Marie-Luise Volkmann. Zunächst von der Öffentlichkeit unbemerkt, hat die heute Elfjährige schon 2018 mit dem Müllsammeln auf ihrem Schulweg und beim Gassi gehen mit dem Familienhund begonnen, hat viele Mülltüten gefüllt, die ihre Eltern dann mit dem Hausmüll selbst entsorgt haben. Am Dienstagmorgen hatte sie auch ein weggeworfenes Waffeleisen gefunden. Als Umweltaktivistin bekannt wurde sie, als der Bürgermeister von ihrem Engagement für die Umwelt erfahren und sie zum Auftakt der Müllkampagne auf dem Europaplatz eingeladen hatte. Wie war sie auf die Idee gekommen? Marie-Luise erzählt, dass während eines Urlaubs in Holland das Müllproblem erkannt habe, dort sei es aber weniger gewesen als hier. „Ich möchte ein schönes Lampertheim“, sagt sie. Auch ihre zwölfjährige Freundin Chiara Leubner hat Marie-Luise Volkmann für das Müllsammeln begeistert. Bei der Reinigungsaktion am Bahnhof am Dienstagnachmittag machte auch Chiaras achtjähriger Bruder Julian fleißig mit. Die beiden Mamas, Tatjana Volkmann und Virginia Favaro-Leubner, hielten sich im Hintergrund, packten aber auch mit an. Einen großen Einkaufsbeutel voller gebrauchter Masken, die Marie-Luise in wenigen Wochen aufgesammelt hat, zeigte Tatjana Volkmann. Diese Masken will Katja Stotz-Sen in einer Aktion im Januar auf dem Domplatz auf einer langen Leine als Zeichen gegen wilden Müll aufhängen. Weitere Aktionen folgen. Ausgestattet mit Greifzangen, Müllsäcken und Handschuhen nahm sich die Gruppe die Unterführung vor, ein Ort, den viele Bürger im KOMPASS-Fragebogen als Angstraum bezeichneten. Wo Müll herumliegt, entstehe ein Gefühl der Unsicherheit, erklärte die Schutzfrau vor Ort, Christina Wegerle von der Polizeistation Lampertheim, die mit Katja Stotz-Sen als KOMPASS-Team das Lampertheimer KOMPASS-Programm für Sicherheit und Prävention begleitet. Auf dem Rücken der Warnwesten der jungen Müllsammler ist ein besonderes Logo zu sehen, das Tobias Kilian künstlerisch gestaltet hat – eine Weltkugel, die bei so viel Umweltverschmutzung ganz traurig ist. Das Logo ist im Großformat in der Fußgängerunterführung unter der B 44 in Höhe von Hagenstraße und Wormser zu sehen, auf der anderen Seite hat Tobias Kilian eine schöne Unterwasserwelt gemalt. Hannelore Nowacki







