Sie sind hier: Home » Lampertheim und Stadtteile » „Frei leben – ohne Gewalt”
10.09 Uhr | 25. November 2020
25. November ist Internationaler Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen” / Lampertheim zeigt Flagge

„Frei leben – ohne Gewalt”

Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lampertheim und Bürgermeister Gottfried Störmer (v.l.) hissten auch in diesem Jahr in Lampertheim die Flagge gegen Gewalt an Frauen.  Foto: Stadt Lampertheim

LAMPERTHEIM – Seit 2005 wird von der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und dem Bürgermeister in Lampertheim jährlich die blaue Fahne „frei leben – ohne Gewalt“ von TERRE DES FEMMES gehisst, um auf das Thema Gewalt an Mädchen und Frauen aufmerksam zu machen. So auch dieses Jahr, wenn auch durch die Pandemie bedingt ganz ohne Publikum. „Uns ist es gerade in der momentanen Situation besonders wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen,“ sagt Sonja Niederhöfer, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lampertheim. „Denn durch die unterschiedlichen Herausforderungen, die die Pandemie an alle stellt, liegen bei vielen Menschen die Nerven blank. Somit ist das Risiko von häuslicher Gewalt deutlich gestiegen und dadurch, dass die Menschen weniger soziale Kontakte haben, die Möglichkeit das gewalttätige Verhalten im Verborgenen zu halten, wesentlich größer geworden. Umso wichtiger ist es genauer hinzuschauen und gegebenenfalls Hilfe anzubieten.“ 

In Lampertheim wurden dieses Jahr bis Oktober 25 Fälle von häuslicher Gewalt zur Anzeige gebracht, die Dunkelziffer liegt mit Sicherheit wesentlich höher. 

Um auf das Thema „Häusliche Gewalt“ aufmerksam zu machen, startete bereits am 2. November 2020 die kreisweite Brötchentütenaktion „GEWALT kommt mir nicht in die Tüte“. Bei dieser Aktion wurden zirka 120.000 Tüten an zirka 100 Bäckereien im Kreis Bergstraße verteilt und somit das Thema Gewalt und Hilfsangebote regelrecht auf den Tisch gebracht. „Gerne hätte ich wieder Brötchen verkauft und dadurch mehr Aufmerksamkeit auf die Aktion gelenkt. Die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken ist wichtig, weil es als schamhaft empfunden und damit gerne verdeckt wird“, unterstreicht Bürgermeister Störmer die Aktion.

Die Fahnenaktion wurde 2001 von der Menschenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES ins Leben gerufen und mit jährlichen Schwerpunktthemen belegt. Dieses Jahr geht es um das Thema                                                                                                               #meinherzgehörtmir – Gegen Zwangsverheiratung und Frühehen!     

Jährlich werden nach offiziellen Angaben von UNICEF weltweit 12 Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet, viele sind noch nicht einmal 16 Jahre alt. Insgesamt kann von derzeit 650 Millionen Frauen ausgegangen werden, die unter 18 Jahren verheiratet wurden. Die Folgen von Frühehen sind vielfältig: häusliche und sexualisierte Gewalt, gesundheitsgefährdende Teenagerschwangerschaften sowie massive soziale und ökonomische Abhängigkeit.  Auch Zwangsverheiratungen, also die Verheiratung gegen den Willen von einem oder beiden Ehepartnern, sind oft mit häuslicher und sexualisierter Gewalt sowie Unterdrückung und Abhängigkeit der Betroffenen verknüpft. Die Folgen für die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen sind weitreichend.

Obwohl Zwangsverheiratung in Deutschland strafrechtlich verfolgt wird und auch die Verheiratung Minderjähriger seit 2017 verboten ist, werden nach wir vor Mädchen und Frauen in Deutschland gegen ihren Willen verheiratet. Dies geschieht oft im Rahmen von traditionellen bzw. religiösen Zeremonien und hat für die Betroffenen dieselbe bindende Wirkung wie eine standesamtliche Trauung. Weitere Informationen und Hilfsangebote finden Sie unter www.frauenrechte.de zg

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Kommentare sind geschlossen