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12.38 Uhr | 6. Dezember 2019
Bürgerversammlung zur Neuberechnung der Niederschlagswassergebühr mit Vortrag und Fragerunde

Unversiegelte Flächen und grünes Dach sparen Geld

LAMPERTHEIM – Warum gibt es überhaupt Gebühren für Niederschlagswasser und wie ist das Verfahren zur aktuellen Ermittlung der versiegelten Flächen? Zu diesen und anderen Fragen, vor allem auch, wie man durch begrünte Dächer und entsiegelte Flächen Gebühren sparen kann, wurden die etwa fünfzig anwesenden Bürger bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im großen Sitzungssaal des Stadthauses informiert. Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass leitete die auf anderthalb Stunden festgesetzte Versammlung, an der Mitglieder des Magistrats und Stadtverordnete teilnahmen. Auf dem Podium standen Mitarbeiter aus den Fachabteilungen der Verwaltung, Erster Stadtrat Jens Klingler und Bürgermeister Gottfried Störmer für Fragen zur Verfügung. Eingeführt wurden die Niederschlagswassergebühren 1994 aus Gründen der Gebührengerechtigkeit, erklärte Klingler, so gebe es Grundstücke wie bei Discountern mit viel versiegelter Fläche und wenig Schmutzwasser und andere mit wenig versiegelter Fläche und viel Schmutzwasser. Seitdem werden die Gebühren durch Selbstauskunft erhoben. Zuvor wurden Regenwasser und Schmutzwasser gemeinsam berechnet. Joachim Wempe von der Firma Geoventis, die für die Stadtverwaltung die ingenieurstechnische Unterstützung bei der Auswertung und Verarbeitung der vorliegenden Überflugdaten im Fragebogen erbringt, erläuterte in seiner umfangreichen Präsentation im Detail den Fragebogen, der jedem Grundstückseigentümer Anfang nächsten Jahres, auf jeden Fall im ersten Quartal, zugeht. Die Befliegung zur Neuerhebung der versiegelten Flächen habe im Februar stattgefunden, teilte Wempe mit, wobei die Luftbilder die Dachflächen inklusive Dachüberstände abbilden. Überfliegungen seien ein gängiges Vorgehen, machte Wempe deutlich, das Land Hessen lasse das gesamte Gebiet alle zwei Jahre überfliegen, die Stadt Frankfurt beschaffe sich sogar jährlich hochauflösende Aufnahmen. Warum ist die Mithilfe der Bürger bei der neuen Erhebung notwendig? Beispielsweise seien die Versiegelungsarten und Verschattungen auf den nicht hochaufgelösten Luftbildern nicht erkennbar, auch ob eine Zisterne einen Ablauf in den Kanal hat oder nicht, sei im Luftbild nicht zu sehen. Der Datenschutz werde sehr ernst genommen, die jeweiligen Nachbargrundstücke werden in den Fragebögen nicht gezeigt. Am Rande der Veranstaltung teilte Wempe auf  Nachfrage dem TIP mit, dass es in Lampertheim 9.000 Grundstücke gebe, für deren Luftbildauswertung eine besondere Software genutzt werde. Niemand werde beim Ausfüllen des Fragebogens alleine gelassen, betonte  Sabine Lerch, Fachdienstleiterin für Steuern und Abgaben und Leiterin des 6-köpfigen Teams Niederschlagswasser. „Kommen Sie zu uns, wir helfen Ihnen weiter“. Die Angaben im Internet auf der Homepage der Stadt Lampertheim würden zusätzlich nach Bedarf ergänzt. Thomas Schramm, bei den Technischen Betriebsdiensten tätig und Fachmann für gärtnerische Themen, stellte in seiner Präsentation zahlreiche Möglichkeiten vor, das eigene Grundstück zu entsiegeln und regenwasserfreundlich zu gestalten, beispielsweise mit Fugenpflastersteinen in der Einfahrt. Durch Dachbegrünung sei eine bis zu 50-prozentige Ersparnis bei den Niederschlagswassergebühren zu erreichen. Eine sogenannte extensive Dachbegrünung sei kostengünstig und biete zusätzlich zahlreiche Vorteile wie Verbesserung des Kleinklimas, Einsparung von Energiekosten und Lebensraum für Insekten sowie Ausgleich starker Temperaturschwankungen mit längerer Dachlebensdauer. Ausführliches Informationsmaterial zum Mitnehmen lag aus, außerdem hatte Schramm ein Modell für einen Gründachaufbau mitgebracht. Zur Frage von Bürgern, warum überhaupt Niederschlagswassergebühren erhoben werden, nahm Bürgermeister Störmer mit Erläuterung des Kommunalabgabenrechts Stellung. Sowohl eine Unter- als auch Überdeckung solle vermieden werden, wobei die Gebühren für Investitionen in die Abwasserentsorgung verwendet werden. Das Klärbecken im Industriegebiet Nord habe beispielsweise über zwei Millionen Euro gekostet. Hannelore Nowacki

 

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